Interview zum Thema Entscheidungsschwierigkeiten


  

Leichter Entscheidungen treffen
Warum es uns so schwerfällt, auf unser Gefühl zu vertrauen.
Neues Jahr, neues Glück, heißt ein bekanntes Sprichwort. Und tatsächlich markiert der Jahresbeginn im Leben vieler Menschen eine Zeit der Veränderung. Gerne nehmen wir uns vor, lange aufgeschobene Entscheidungen endlich zu treffen. Die guten Vorsätze bleiben aber oft nur Theorie, weil wir es nicht schaffen, uns für die Veränderung zu entscheiden. Die Angst vor Fehlentscheidungen und deren Konsequenzen sowie das ewige Hin und Her zwischen Kopf und Bauch hindern uns daran. 
Forscher haben herausgefunden, dass wir täglich bis zu 20.000 Entscheidungen treffen. Das beginnt schon bei der täglichen Wahl zwischen Tee oder Kaffee zum Frühstück und setzt sich fort beim Blick in den Kleiderschrank und der daraus resultierenden Frage: Was ziehe ich heute an? 

Belastend wird es, wenn wir lange mit kleinen Entscheidungen hadern. Ein Grund dafür, warum es uns schwerfällt, uns zu entscheiden, ist einerseits die Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten, die uns überfordert. Andererseits liegt den Entscheidungsschwierigkeiten meist Angst zugrunde. Angst davor, die falsche Entscheidung zu treffen, jemanden vor den Kopf zu stoßen, eine Entscheidung später zu bereuen oder auch davor, sich aufzumachen ins Unbekannte. „Angst ist immer ein Schutzmechanismus und prinzipiell ein Freund des Menschen. Wenn Angst begründet ist, dann ist das gut so, sie warnt uns. Aber in vielen Fällen ist sie irrational und dessen sollten wir uns bewusst sein“, erklärt die psychosoziale Beraterin Sabine Schwartz. 

Selbstverständlich erfordert es Mut und Selbstvertrauen, zu seinen Entscheidungen zu stehen. Wie wird mein Umfeld auf meine Entscheidung reagieren? Könnte ich negative Kommentare ernten? Was passiert, wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle? Solche Fragen stellen sich uns auf dem Weg zu einer Entscheidung. Wer nun aber aus Angst vor den Reaktionen und Konsequenzen keine Entscheidungen trifft, gibt seine Selbstbestimmung auf und legt sein Leben in die Hände von anderen.  

Auch die gern zitierte Widersprüchlichkeit zwischen Gefühl und Verstand behindert uns, eine Entscheidung zu treffen. Selbst bei minimalen Entscheidungen kommt es vor, dass sich Hirn und Bauch in die Quere kommen. „In unserer Gesellschaft wird es uns von Kindheit an abgewöhnt, auf unser Bauchgefühl zu hören“, erklärt Schwartz, warum es vielen Menschen schwerfällt, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen.  

Dabei würde uns unser Gefühl oft sagen, was richtig für uns ist. Denn: „Unser ‚Bauchhirn‘ kann nicht lügen“, meint Schwartz. Ob es besser ist, mit dem Bauch oder dem Kopf zu entscheiden, lässt sich nicht verallgemeinern und hängt auch von der Tragweite der Entscheidung ab. Natürlich ist es nicht empfehlenswert, einem Bauchgefühl folgend die Scheidung einzureichen oder den Arbeitsplatz aufzugeben. 

Aber wenn wir spüren, dass eine Situation nicht gut für uns ist, sollten wir das zum Anlass nehmen, zu überlegen, was sich ändern lässt. „Viele Menschen können das nicht und verharren aus Angst in unglücklichen Situationen“, sagt Schwartz. 

Außerdem hat eine Studie gezeigt, dass Menschen, die immer rational und ausführlich Vor- und Nachteile abwägen, um die beste Entscheidung zu finden, am Ende oft unzufriedener mit ihrer Wahl sind als jene, die sich mit einer ausreichend guten Möglichkeit zufrieden geben.

Wieder mehr auf seinen Bauch zu hören, lässt sich gut bei kleinen Entscheidungen des Alltags üben. „Etwa beim Einkaufen. Sie wissen nicht, ob Sie den roten oder den grünen Paprika nehmen sollen? Schauen Sie beide an, hören Sie genau hin, wozu Ihr Gefühl tendiert und folgen Sie diesem Gefühl“, rät Schwartz. 

Solche spontanen Entscheidungen haben keine schlimmen Konsequenzen, können uns aber helfen, wieder mehr Vertrauen in unser Bauchgefühl zu entwickeln.

So kommen Sie leichter zu einer Entscheidung

•    Zu viel Auswahl überfordert uns oft, daher kann es helfen, sich Grenzen zu setzen. Gehen Sie lieber in Geschäften mit kleinerer Auswahl einkaufen und setzen Sie sich eine zeitliche Frist, bis zu der Sie Ihre Entscheidung getroffen haben müssen. 
•    Sprechen Sie mit neutralen Personen. Das kann neue Perspektiven eröffnen, auf die wir allein nicht gekommen wären.  
•    Machen Sie sich bereits im  Vorhinein bewusst, dass es in Ordnung ist, falsche Entscheidungen zu treffen. Denn daraus können wir lernen.  
•    Wenn Sie Angst vor einer Entscheidung haben, überlegen Sie, was im schlimmsten Fall bei einer Fehlentscheidung passieren könnte. Oft neigen wir dazu, die Bedeutung einer Entscheidung überzubewerten.
•    Haben Sie keine Angst vor den Reaktionen anderer, machen Sie sich bewusst, dass Sie es nie allen recht machen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

              Sabine Schwartz, MSc

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